21 Mai 2006
Sind Journalisten Feinde?
"Verantwortung und Glaubwürdigkeit - Kommunikation schafft und braucht Werte". So lautete das Motto des Fachtages beim Jahreskongress der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) in Halle und Leipzig. Die Kommunikationsverantwortlichen sprachen über die Verantwortung, gesellschaftliche Veränderungen in ihre tägliche Arbeit zu integrieren. Dabei wurde eine Studie vorgelegt, wonach PR-Agenturen und Non-Profit-Organisationen Verantwortung und Glaubwürdigkeit als zentrale, entscheidende und fundamentale Werte ansehen.
In scharfem Kontrast dazu steht die Erkenntnis, dass nur jeder fünfte Bundesbürger davon überzeugt ist, dass in Deutschland offen und wahrheitsgemäß informiert wird. Dabei stehen nicht nur Politik oder Wirtschaft im Fokus - jüngste Fußballskandale in Deutschland, Italien und den Niederlanden lassen ausgerechnet kurz vor WM-Beginn auch den Sport unglaubwürdig erscheinen.
Kommunikation darf - wo tatsächliches Fehlverhalten vorliegt - nicht zum Verbreiten der Unwahrheit genutzt werden. Kein Pressesprecher, keine PR-Agentur und kein Manager sollte glauben, dass Lügen und Verschweigen hilft. Noch in jeder Krise stand derjenige besser da, der Fehler zugab und nach offen nach außen war.
Im Mittelpunkt der Kommunikation steht zunehmend nicht mehr nur der Pressesprecher, sondern der CEO. Er muss Rede und Antwort stehen - firmenintern und extern. Deshalb sollte der Auftritt von Geschäftsführer oder Vorstand als strategische Komponente in der Unternehmenskommunikation funktionieren. Der Auftritt des Spitzenmanagements ist Teil des Brandings und "sogar der entscheidende Faktor für das Image des Unternehmens", betonte eine Managementexpertin kürzlich . Wohl wahr. Deshalb werden unsere Medientrainings zunehmend als ein Maßnahmenteil für Personality PR gebucht.
Während Großunternehmen die Notwendigkeit guter Kommunikation längst erkannt haben, bestehen bei Mittelständlern oft noch weiße Flecken. Dabei sind für ein kleineres Unternehmen strategische Fehleinschätzungen "meist gleichbedeutend mit seinem Ende", sagt Arnold Weissmann, Professor für Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Regensburg. Er hält es für wichtig, dass auch Mittelständler ein eigenes Unternehmensleitbild entwickeln, um sich in schnelllebigen und stagnierenden Märkten von anderen zu unterscheiden. Eine Botschaft, die bedenkenswert ist.
07 April 2006
OSTEREIER UND DIE VOGELGRIPPE - und was hat der Controller damit zu tun?
Ostern kommt mit großen Schritten näher - dieses Jahr im Zeichen der Vogelgrippe. Alarmzeit für die Geflügel- und Eierindustrie: Dürfen wir rohe Eier überhaupt noch auspusten?! Die Experten sagen, ja, aber nur nach vorherigem Abwaschen der Eier... Wir Verbraucher hoffen unterdessen, dass der gegenwärtige Vogelzug keine H5N1-Viruspandemie mit sich bringen möge.
Krisen erfordern klare Kommunikation. Darauf kann und muss man sich vorbereiten. Zum Beispiel durch Krisensimulation und Krisencoaching.
Doch wer solcherlei Training in seiner Firma vorschlägt, scheitert oft an hausinternen Hürden. Die liebste Frage des Controllers lautet: Wie viel kostet das und wie rechnet sich das?
Fredmund Malik, Leiter des Management Zentrums St. Gallen, schrieb kürzlich allen Weiterbildungsbedenkenträgern ins Stammbuch:
"Richtig angelegtes und durchgeführtes Management-Training hat nachweisbare Wirkung. Es hat konkrete, messbare Ergebnisse. Diese sind in Geld quantifizierbar. Daher kann Managementausbildung vor jedem Führungsgremium, auch den Aufsichtsräten, als ertragsbringendes Investment gerechtfertigt werden. Weniger sollte in einem gut geführten Unternehmen nicht akzeptiert werden."
Malik weiter: Führungskräfte müssten die Fähigkeit trainieren, auf schwache Signale und vage Hinweise zu achten. Manager müssten so kompetent ausgebildet werden, dass sie schließlich teuren Beratern überlegen seien, weil sie hauseigene wirksame "Problemlöser" würden.
Wir finden: Interessante Gedanken! Und wertvolle Argumentationshinweise für die hausinterne Schlacht um einen Etat für Bildungsinvestitionen.
04 März 2006
Vogelgrippe infiziert Journalisten
Dabei war vorherzusehen: Die Medien verhalten sich in Zeiten der Geflügelpest nicht lieb wie Lämmer. Mit Auswüchsen ist zu rechnen. Auch wenn's traurig ist. So musste der Geflügelhof Kliewe in Mursewiek seine gut 2.000 Hühner und Enten offensichtlich nur deshalb töten, weil zu viele Journalisten ohne Seuchenvorkehrung über den Hof latschten. Der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit, Thomas Mettenleiter: "Das Problem ist, dass Journalisten sehr nahe an die toten Tiere herangehen und auch das Aufsammeln der Kadaver filmen, teilweise bis in die Kadaversäcke hinein."
Ein weiteres Problem: Die politische Inszenierung. Manch Landes- und Bundespolitiker zog zwecks Profilierung ganze Heerscharen von Berichterstattern hinter sich her. Rügener Katastrophentourismus der besonderen Art.
Doch Medieninszenierung hin oder her und egal, ob es einem passt oder nicht: Im Krisenfall geht alles ganz schnell und ganz heftig. Wer dann nicht weiß, was ihn erwartet, weil er weder gedanklich noch organisatorisch auf den Presseansturm vorbereitet ist, riskiert den Verlust der Meinungshoheit und den Vormarsch der Populisten. Das können Besserwisser von Konkurrenz, Politik oder aus den eigenen Reihen ebenso sein, wie die Pressearmada.
Journalisten sind meist darauf gepolt, in Schwarz-Weiß-Bildern zu malen ("bad news is good news"). So wird aus der schönen Ferieninsel Rügen über Nacht die "Todesinsel" (BILD).
Kassners dringendster Wunsch derzeit: "Rügen soll endlich aus den Nachrichten verschwinden." Es sind nur noch wenige Monate Zeit bis zur Feriensaison. Bis dahin muss das Image Rügens wieder zurechtgerückt werden - weitere mediale Sisyphusarbeit. Denn: Nun kommt die Krise nach der Krise. Und das gilt im Falle der Geflügelpest nicht nur für Rügen...
Quintessenz: Für Krisensituationen kann/soll/muss man sich auch in Kommunikationshinsicht präparieren.
Vogelgrippe - who cares?
Die näher kommende Vogelgrippe (korrekt: "Geflügelpest") hat nur große deutsche Unternehmen dazu veranlasst, Notfallpläne für den Fall der Ausbreitung auf den Menschen aufzustellen.[/IB] Laut Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vom Februar 2006 sind bei den 20 DAX-Firmen veilfach Verhaltensregeln aufgestellt, Medikamente gelagert und Grippeimpfungen empfohlen worden.
Nach Experteneinschätzung reichen die Vorbereitungen allerdings nicht aus. "Beim Mittelstand kommt das Thema jetzt erst an", zitiert dpa den Leiter Sicherheits- und Krisenmanagement beim Beratungsunternehmen Result Group, Christopher Schramm. Dabei könnten im Ernstfall ganze Geschäftsprozesse zum Erliegen kommen könnten. "Das geht schon damit los, dass die Mitarbeiter nicht mehr die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen."
Der Gesundheitsökonom Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) warnt, ein großflächiger Ausbruch ansteckender Krankheiten könne für Unternehmen schnell kritisch werden, besonders in einer eingespielten Kette von Zulieferern. Wenn deutschlandweit 300 000 Menschen in Krankenhäusern behandelt werden müssten und 100 000 Menschen stürben, ziehe dies volkswirtschaftliche Kosten von 25 bis 75 Milliarden Euro nach sich. Trotz dieses Risikos wird die Ausbreitung des Virus von den meisten Firmen bisher nur "beobachtet".
Was kann man tun? Ein paar Besipiele zum Nachdenken:
Bei BASF und Lufthansa haben sich nach internen Aufrufen deutlich mehr Mitarbeiter gegen Grippe impfen lassen.
Der Sportartikel-Hersteller adidas verbietet den Mitarbeuitern asiatischer Produktionsorte, lebendes Federvieh in die Fabrikküchen mitzubringen und dort zu schlachten.
Die Deutsche Bank hat ein weltweites Programm zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes, das auch bei Naturkatastrophen, Stromausfällen oder politischen Umstürzen greift.
Der Versicherungskonzern Allianz prüft unter anderem, wer von zu Hause aus arbeiten könnte.
WIE IST IHRE MEINUNG ZU DIESEM THEMA?
11 Januar 2006
Der Chef ist die message
"... paßt auf, was Ihr wann sagt!" rät "Die Welt" den Wirtschaftsführern unter anderem. Richtige Kommunikation sei wichtig. "Wie man es nicht macht, hat die Deutsche Bank demonstriert. Genau als die Bundesrepublik erstmals in der Geschichte mehr als fünf Millionen Arbeitslose zu verdauen hatte, verkündete Josef Ackermann den Abbau von 6400 Stellen. Quasi als Sahnehäubchen gab es noch einen Milliardengewinn dazu. Die Republik war empört - und das, obwohl zuvor vom Stellenabbau über den Milliardengewinn bis zu den fünf Millionen Arbeitslosen alles schon absehbar war."
Übrigens: Neben News Timing, Wortwahl und Themenagenda knacken Unternehmenslenker in Sachen Kommunikation regelmäßig am Thema Personalisierung. Das stellen wir von Wiegand & Wiegand in unseren Inhouse-Trainings, offenen Seminaren und Coaching-Workshops immer wieder fest.
"Soll ich mich wirklich persönlich vor die Presse begeben?" ist eine häufig gestellte Firmenchef-Frage nicht nur zu Krisenzeiten. Unsere Antwort: Journalismus funktioniert nun mal über Köpfe, denn Leser/Hörer/Zuschauer finden nichts spannender, als Menschen. Ein kopfloses Unternehmen wirkt unpersönlich, kalt und womöglich bedrohlich (freilich können auch Menschen dieses Gefühl erzeugen).
Also bleibt der persönliche Medienauftritt in guten wie in schlechten Zeiten für deutsche Führungskräfte auch 2006 eine wichtige Baustelle. Wer sich zeigt und dabei glaubwürdig und authentisch bleibt, positioniert sein Unternehmen (und sich!) erfolgreich in der Öffentlichkeit - und das kann unbezifferbaren geldwerten Vorteil haben!
Die Macht der Presse...
"Stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn berichtete Teilnehmern eines Medien-Workshops kürzlich von den Möglichkeiten seines Magazins, erhebliche Finanzmittel für Aktualitäten oder Enthüllungen einsetzen zu können.
Das ist gut für den "Stern". Er kann somit publizistische Unabhängigkeit auch bei Kollisionen mit Interessen seiner Anzeigenkunden wahren. Kleinere Redaktionen tun sich da schon schwerer.
Kristina Hansen, ZDF-Korrespondentin in Hamburg, beklagte bei der gleichen Veranstaltung die mangelnde Geschmeidigkeit vieler Unternehmen beim Umgang mit Medien. Oft seien Firmen-Pressesprecher nicht einmal bei Vorstandssitzungen dabei. Das führe dazu, dass Kommunikateure der Wirtschaft bei Journalistenanrufen ahnungslos bis bedröppelt dastünden. Fatal, wenn es schnell gehen muss - etwa im Krisenfall!
Wer übrigens glaubt, Medien könnten "gekauft" werden, stößt nicht nur bei den Großen der Medienrepublik auf Granit. Auch private Kommerzsender wie "Radio Hamburg" lehnen das ab. Platte product placements im Rahmen journalistischer Wortbeiträge seien für die Nr. 1 der hamburgischen Rundfunkszene kein Thema, beteuerte Sprecherin Martina Müller beim gleichen Workshop. Wer so etwas wünsche, müsse sich ans Marketing wenden, nicht an die Redaktion.
Fazit: Die sogenannte Medienkrise (Werbungsrückgänge, Redaktionsausdünnungen, Fusionen) hat zwar unbestreitbar hier und da eine Aufweichung zwischen Public Relations und Publizistik hervorgerufen. Dennoch ist es irrig anzunehmen, Journalisten würden ihre Grundsätze mal eben so über Bord werfen. Kommunikation bleibt die Aufgabe, im Kontakt mit der Presse authentisch und glaubwürdig zu bleiben sowie die Spielregeln des Journalismus zu kennen!
31 Oktober 2005
Alle gehen, die Presse bleibt
Für die Medien ist das jetzt oberspannend. BAD NEWS IS GOOD NEWS. Fette Schlagzeilen, TV-Brennpunkte und "breaking news" im Radio bringen Auflagen und Einschaltquoten.
So ist das eben. Die Presse ist kein Wohlfahrtsverein. Sie besteht aus gewinnorientierten Unternehmen. So, wie andere es auch sind.
Auch für Kommunikationsexperten ist spannend, was jetzt in Berlin passiert. Mit Gerhard Schröder tritt ein "Medienkanzler" ab - schade eigentlich. Seine vorgesehene Nachfolgerin wird dessen argumentative Agilität so wohl niemals ereichen - aber wird Angela Merkel es denn noch? Stoiber wiederum liess jüngst kaum ein mediales Fettnäpfchen aus, während "Münte" fast schon knorrig-kultig wirkte - nun fällt ein Baum.
Welche Argumente werden jetzt herausgeholt, um aus dem jeweiligen Schlamassel zu kommen? Welche Strategien werden gefahren werden? Wie werden die Medien reagieren?
Es lohnt sich derzeit in Deutschland, sorgfältig Presse, Funk und Fernsehen zu studieren!
28 September 2005
Medienmasche: Erst schlechtschreiben, dann schönreden
"Du bist Deutschland!" heisst die größte Social Marketing Kampagne in der Geschichte unseres Landes. Das Projekt im Wert von rund 30 Millionen Euro läuft vier Monate auf den wichtigsten Sendern, begleitet von ganzseitigen Anzeigen in Zeitungen und Magazinen. Getragen wird es von... den 25 großen Medienunternehmen sowie Rundfunk- und Fernsehanstalten.
Aber: "Diese Kampagne baut Illusionen auf, denn Mut allein bringt es nicht." Sagen Kritiker.
"Wer hat denn den Standort schlecht geredet – wer hat denn die letzten Jahre immer wieder gesagt, dass Deutschland zu teuer ist?", fragt ein Blogger.
Ein anderer schimpft: "Sind deutsche Promis wie die Rennfahrerbrüder Schumacher glaubwürdige Mutmacher für Deutschland, wenn sie Steuern in Österreich bzw. der Schweiz zahlen?“
Ein weiterer Webschreiber fleht: "Und hört auf, mich dauernd zu duzen!"
"Du bist Deutschland!" – eine Medienkampagne mit Fragezeichen, die bald verpufft? Schon denkbar.
09 September 2005
Das Undenkbare: Eine New-Orleans-Flut, auch in Europa?
Was wie das Undenkbare klingt, ist wirklich passiert. Das war 1953. Nach der "Hollandflut" igelten sich die weitgehend unter Meeresspiegel liegenden Niederlande regelrecht ein. In den 80er Jahren wurde das gigantischste Deichbauprojekt der Welt abgeschlossen.
Könnte der "blanke Hans" dennoch wieder grausam zuschlagen? Unter gewissen Bedingungen schon, fürchtet Peter Dolen, Chef des niederländischen Krisenkommunikationszentrums. "Am Schreibtisch kann man jeden Plan aushecken, aber man weiß, das die Wirklichkeit anders sein wird."
31 August 2005
"Charisma" - das Zauberwort für Erfolg?
Das sagt nichts über die fraglos vorhandene Themenkompetenz von Pierers. Aber: Image ist in einer Mediengesellschaft zentral gefragt. Wer Andere überzeugen will, muss sich medial gut "verkaufen". Wer mausgrau oder espritlos wirkt, dem drohen Nichtbeachtung oder Schlechtschreiben. Denn Journalisten personalisieren gerne - Fakten, Fakten, Fakten allein sind eben doch nicht alles.
Image ist eine Sache - durchschlagende Wirkung eine andere. Nur wer angemessenes Auftreten und anschauliche Argumente in Einklang bringen kann, wird guter Kommunikator und angesehene Persönlichkeit zugleich. Man kann das trainieren - und sollte es auch, wenn der öffentliche Auftritt wichtig ist.
"Worte können lügen, der Körper lügt nie"-da ist viel dran
Ach ja, nebenbei gesagt: Das nächste Medientraining von Wiegand & Wiegand dreht sich genau um dieses Thema: "Stilvoll auftreten - souverän agieren" (Hamburg, 26. + 27. 10. 2005, mehr bei MedienTraining@WiegandMedia.de).
Unterdessen sollten wir uns anschauen, welche Aura Schröder und Merkel beim "Kanzlerduell" um sich verbreiten werden. Der Countdown läuft. In wenigen Tagen ist es soweit. Termin: Kommender Sonntag, 4. September 2005, 20.15 Uhr auf mehreren TV-Kanälen. Schauen Sie hin!
06 August 2005
Korruption, Wegducken, Krisenmanagement
Eine ganz Zunft steht im Zwielicht: Die Manager. Ein gefundenes Fressen für Medien - ob berechtigt oder nicht. Journalisten stricken Stories nach dem Opfer/Täter-Prinzip. Der Schuldige ist immer der CEO. Von ihm wollen Reporter Antworten. Nicht vom Pressesprecher. Weil nur der CEO der wirkliche Kopf eines Unternehmens ist.
Auch Politiker müssen ihren Kopf hinhalten. Warum also zickte Kanzlerherausforderin Angelika Merkel wegen eines zweiten TV-Duells mit Amtsinhaber Gerhard Schröder? Die Medien spekulieren. Das kommt nicht gut. Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung: Merkels Fernsehduell-Drückebergerei nenne man im Norden "Bangbüx", im Süden "Trauminet".
Übrigens: Medien sind von Fehltritten nicht frei. Als größte Krise des öffentlich-rechtlichen Fernsehens seit der Nachkriegszeit bezeichnen Medienexperten den ARD-Schleichwerbungsskandal. Als Teil ihres Krisenmanagements beschlossen die ARD-Intendanten eine "Clearing-Stelle".
Das Image des aus Zwangsgebühren finanzierten Rundfunks hat dennoch arg gelitten. Umgang mit den Medien - eine Kunst, in der sich nun also auch Medien üben müssen. Mal sehen, wie sich die Fernsehköpfe schlagen!
18 Mai 2005
Manager Bashing - wer ist schuld?
Die Mehrheit der Deutschen glaubt inzwischen, die Wirtschaft habe zu viel Einfluss, fand Ipsos heraus. Besonders die CEOs von Großkonzernen sind beliebte Zielscheiben. Ob Werner Seifert von der Deutschen Börse oder Lutz Ackermann von der Deutschen Bank - selten wurden Unternehmenskapitäne so gezielt als "Bösewichter der Wirtschaft" personalisiert.
"Derzeit ist der Ruf der Unternehmer miserabel", konstatiert Berthold Leibinger, Geschäftsführender Gesellschafter des Maschinenbauers Trumpf. Der Trend zum "Manager-Bashing" schadet nicht nur den big players. Er kratzt am Ruf der gesamten Zunft von Führungskräften bis hinunter zum Autohaus um die Ecke.
Sind "die Journalisten" an diesem Image-GAU der deutschen Wirtschaftselite schuld? Nein, nicht nur. Deutsche Führungskräfte tun zu wenig für ihr Ansehen.
Kommunikationsfähigkeit ist nicht unbedingt das Kriterium, wonach Lenkungsspitzen ausgesucht werden. Medienkunde gehört nicht zum Curriculum für Betriebswirtschaftler, Volkswirte, Juristen oder Ingenieure. Die meisten Führungskräfte haben gelernt, ausschließlich in ökonomischen Kriterien zu denken - der angeblich "weiche" Faktor Image fliesst nicht in Statistiken ein
Aber in einer Mediengesellschaft reicht es nicht, aufwändige Hochglanz-Broschüren zu drucken und bei unangenehmen Fragen den Pressesprecher vorzuschicken - oder sich wegzuducken. Verantwortung bedeutet auch Flagge zu zeigen - und zwar in verständlicher, glaubwürdiger und authentischer Form.
Der Auftritt vor Öffentlichkeit und Medien muss geübt werden. Kaum jemand ist ein Naturtalent.
Also Nachsitzen für Führungskräfte? Warum eigentlich nicht? Ein professionelles Medientraining oder Kommunikationscoachinmg kann niemals schaden...
Wiegand & Wiegand Media Services
Communication - Consulting - Coaching
http://www.WiegandMedia.de
13 April 2005
Die PR-Geheimnisse von Karol-Superstar
Ob man ihn nun heilig findet oder nicht. Ob man seine Lehren befürwortet oder ablehnt. Ob man überhaupt gläubig ist oder nicht... -
... Eines kann jede Führungskraft von Johannes Paul II. abgucken: In der Mediengesellschaft siegen lernen! Denn der verstorbene Papst beherzigte eisern drei Grundsätze für erfolgreiche Public Relations:
1. Sich persönlich einbringen. Johannes Paul II. nutzte nicht nur selbstverständlich und systematisch alle alten und neuen Medien zur Kommunikation, sondern stellte sich auch selbst ins Rampenlicht. Bei Audienzen in Rom und auf Reisen ging der Papst gezielt auf unterschiedlichste Menschen zu - und ließ die Medien zusehen. Damit kreierte er Bilder und bediente den journalistischen Wunsch nach Personalisierung von Themen. Und wirkte wie ein präsenter und humaner Oberhirte, den man mögen musste.
2. Knapp und klar sprechen. Johannes Paul II. redete gerne volkstümlich. Verquaste Theologen-Fachsprache mied er in der Öffentlichkeit. So blieben seine Worte hängen. Drei Beispiele: * "Ich wäre bereit, sogar mit dem Teufel zu reden, wenn es um Wahrheit, Religion und Menschenrechte geht." (Auf dem Flug von Nairobi nach Casablanca, 19. August 1985). * "Nennt mich einfach Karol!" (Manila, 14. Januar 1995, zu jugendlichen Gläubigen). * "Auch ich gehöre zu denen, die gerne wieder jung sein möchten." (Rom, 6. April 1996).
3. Authentisch bleiben. Kein "Promi" unserer Zeit schien so unerreichbar wie Johannes Paul II. zu sein. Dennoch identifizierten sich Millionen Menschen mit ihm. Sein Geheimnis: Der Papst blieb im Pontifikat so echt wie als Priester, verstellte sich nicht, war menschlich glaubwürdig. Vatikankorrespondent Andreas Englisch über seine erste Begegnung: "Ich hatte erwartet, eine Majestät anzutreffen. Aber Karol Wojtyla hatte keine Spur von herablassender Güte an sich. Im Gegenteil. Er wirkte, als wäre es ihm ein wenig peinlich, dass er der Papst ist."
Manager sind keine Päpste. Und in der Wirtschaft geht es kaum um Spiritualität und Glaubenssachen. Dennoch: Johannes Paul II. war in Sachen PR ein Lehrbeispiel für einen guten Kommunikator. Manch Führungskraft könnte sich von ihm beim öffentlichen Auftritt eine dicke Scheibe abschneiden.
